Der Schnitt

Um unsere Schuhe herzustellen, benötigen wir einen Schnitt. Dafür stellen wir einen unserer (nackten!) Füße auf ein gefaltetes Stück Noppenfolie, zeichnen die Umrisse nach und geben rundum etwas 30% zu. Dazu messen wir den Fußumriss in der Länge und Breite und addieren auf jeder Seite etwa 15%. Markiert euch diese Punkte und fahrt einen zweiten, vergrößerten Umriss nach.

Von der Ferse aus zeichnen wir nach Geschmack noch einen Schaft ein .Dabei solltet ihr berücksichtigen, dass dieser auch eingeht, also nicht zu groß halten, aber eben auch nicht zu klein, sonst kommt man mit dem Fuß nicht mehr durch (kann man notfalls durch Aufschneiden beheben).

WICHTIG: Der Schaft sollte etwa 30° nach vorne geneigt sein, sonst zeigt er beim fertigen Schuh (durch das viele Walken) nach hinten (keine Ahnung, weshalb, aber man fährt ganz gut, wenn man sich daran hält).

Wolle auslegen

Jetzt legen wir diesen Schnitt auf ein ausreichend großes Stück Wollvlies und schneiden mit etwa 4 cm Abstand darum herum.


Danach legen wir den Schnitt beiseite und machen uns daran, die Wolle zu teilen. Dazu nehmen wir eine Kante, fassen mit jeder Hand ungefähr je eine Hälfte der Höhe und ziehen die beiden Teile vorsichtig auseinander

Wir legen den Schnitt zwischen diese beiden Hälften und klappen die überstehenden Teile um ihn herum auf die andere Seite.

Wenn wir damit fertig sind, haben wir eine vollständig geschlossene Wollform.


Jetzt nehmen wir weitere Wolle (ich habe hier eine andere Farbe und Wollart verwendet, um es deutlicher zu machen: dabei entsteht sog. Wendefilz, der innen eine andere Farbe hat als außen), und legen sie in Streifen um unser bisheriges "Paket". Dabei sollten die Fasern im rechten Winkel zu den bisherig gelegten stehen.


Anfilzen

Jetzt benötigen wir unseren Wasserkocher, ein paar Seifenspäne und einen Topf. Darin rühren wir eine Seifenlauge an und besprengen unsere Form gleichmäßig damit.

VORSICHT: Wenn die Wolle zu nass wird, verbindet sie sich nicht mehr miteinander, und ihr habt Lagenfilz.

Mit dem Malersieb, das wir sanft auf den Filz legen, "massieren" wir die Wolle in kleinen Kreisen ohne Druck. Dabei verbinden sich die ersten Fasern, und wir haben nach kurzer Zeit eine gleichmäßige Oberfläche. Wo trockene Stellen bleiben, besprengen wir die Stellen vorsichtig durch das Sieb und filzen gleich an.

Das Ganze führen wir auf beiden Seiten durch.

Danach reiben wir unsere Form mit stärkerem Druck, damit sich die einzelnen Lagen miteinander verbinden.

Da Ganze sollte möglichst rasch gehen, damit das Wasser nicht zu stark abkühlt.

Walken: So wird das Ganze dicht

Wenn unser Schnitt ein wenig flacher und fester geworden ist, wickeln wir das Holzstück in das Baumwolltuch, legen den Schnitt davor und rollen das Ganze ein.







Jetzt walken wir 20 mal aus allen vier Richtung auf beiden Seiten (also von vorne, hinten, links und rechts jeweils auf der Ober- und Unterseite). Dazu wird die gesamte Rolle mit den Füßen hin und her bewegt. (das "Walken"). Es geht auch mit den Händen, ist aber wesentlich anstrengender und bringt nicht so schöne Resultate, da mit den Füßen mehr Kraft ausgeübt werden kann. Das Gewicht des Holzstabes spielt dabei auch eine entscheidende Rolle...

Nun sollte die Wolle fest miteinander verbunden und als "Filz" erkennbar sein.

Wir schneiden die Form in der Mitte auseinander, nehmen den Schnitt heraus und arbeiten jetzt mit zwei etwas unförmigen "Schuhen" weiter. Um gleichmäßigere Ergebnisse zu bekommen, sollten immer beide gleichzeitig (z. B.nebeneinander) bearbeitet werden. Wenn das Holz dazu nicht breit genug ist, muss man darauf achten, beide Teile genau gleich lange, möglichst gleich fest und aus den gleichen Richtungen zu walken...


Zunächst wird wieder gewalkt (wieder acht mal, d. h. von jeder Seite und aus jeder Richtung), dieses mal aber einige Minuten (je nach Schnelligkeit und Druck: ich persönlich nehme immer vier bis fünf Minuten und verwende dazu eine Eieruhr). Zwischen den Walkvorgängen sollte man ab und zu in die Schuh-Formen greifen, damit sich die beiden Seiten nicht verbinden.

Zum längeren Walken ist es sehr praktisch, die Rolle durch Gummibänder geschlossen zu halten. Vor jedem Walken sollten die Teile vorsichtig ausgedrückt und mit klarem, heißen Wasser begossen werden.


Danach werden die Schuhe gewendet und die Walkprozedur wiederholt. Die Schuhe sollten dabei nicht nur in der Seitenansicht, sondern auch in der Draufsicht, z. B. entlang der Sohle, gewalkt werden. Überstehende "Nahtwulste" können schon beschnitten werden, sollten aber zu einem Rest noch stehen bleiben.

In-Sich-Rollen: die Formgebung

Bisher sind die beiden Schuhe vermutlich noch viel zu groß und unförmig. Das ändert sich im nun folgenden Schritt, dem In-Sich-Rollen rasch.

Hier werden die Schuhe einzeln bearbeitet. Dieser Schritt ist recht aufwendig und zeitintensiv, aber entscheidend für das Ergebnis.

Die inzwischen auf rechts gewendeten Schuhe werden jeweils zusammengerollt, in das Tuch (ohne Holzrolle!) geschlagen, fest eingerollt, mit kochendem Wasser begossen und ca. 4 Minuten gewalkt. Dabei gehen die Schuhe bis zu 30% ein!

Die Schrumpfung erfolgt jeweils in die Richtung, in die gewalkt wird, und auf der Seite, die vor dem Einrollen oben liegt. Wenn man das weiß, kann man die Formung ganz bewusst bestimmen. Zur Sicherheit sollte man immer mal wieder am eigenen Fuß anprobieren, wo noch etwas weg kann.

Man sollte sich nicht von Zwischenergebnissen erschrecken oder entmutigen lassen: Sie sagen noch nichts über das Endergebnis aus!

Die Stücke wirken, wenn man das Tuch aufschlägt, immer erst mal zu klein. Das gibt sich aber beim Ausrollen und Anprobieren. Oftmals dehnen sich die Schuhe dabei auch wieder ein Stück, so dass man noch einmal walken muss.

Trotzdem zu eng gewordene Stellen kann man im heißen Zustand jedoch gut wieder dehnen.

Noch einmal in Schnell: Vom Klumpen zum Schuh

Hier noch einmal der Ablauf in Zeitraffer, um etwaigen Enttäuschungen vorzubeugen: Das Endergebnis sieht immer ganz anders aus als das, was man zwischen den Walkvorgängen vor sich liegen sieht!

Form vor dem Anfilzen, nach dem ersten Walken, als fertiger Schuh (trage ich heute regelmäßig).