Die Sehne

Zu einem selbstgebauten Bogen gehört selbstverständlich auch eine selbstgebaute Sehne.

Die Sehne ist wärend des Schusses einer extremen Belastung ausgesetzt. Bei einem Bogen mit 50 Pfund Zugkraft wird beispielsweise eine Sehne mit einer Stärke von 600 Pfund verwendet (Wilderer erhängte man an ihrer eigenen Bogensehne). Man rechnet etwa die zwölffache Stärke des Bogens für die Sehne. Um Rekorde im Distanzschiessen zu erzielen werden die Sehnen viel schwächer (dadurch leichter) ausgelegt. Je leichter die Sehne ist, um so mehr Kraft bleibt, um den Pfeil zu bewegen. Diese leichten Sehnen halten jedoch nur für wenige Schüsse. Leider wird, wenn die Sehne reisst oft auch der Bogen in Mitleidenschaft gezogen, ansonsten würde man die Sehen leicht auslegen und einfach erneuern, wenn Sie gerissen ist.

Die Sehne muß noch mehr Eigenschaften erfüllen. Sie muß so breit sein , dass die Nocke des Pfeils ganz ausgefüllt wird, damit der Pfeil immer gleich anliegt. Der Pfeil soll, wenn er auf die Sehne gesetzt wird, sein eigenes Gewicht halten können. Bei einem leichten Schlag auf die Sehne muss er sich wieder lösen.

Als Material für die Sehnen wurden Hanf, Brennesselfasern, Leder, Sehnen, Pferdehaar und sogar Bambusstreifen verwendet. Leder und Sehnen haben den Nachteil, dass Sie bei Nässe unbrauchbar werden. Das Material dehnt sich bei Nässe und reisst, wenn es belastet wird.

Ich habe bisher nur Dacron B50 Bowstring verwendet. Die hier beschriebene Methode zur Fertigung der Sehnen eignet sich jedoch für jegliches Material das in Schnüren zur Verfügung steht. Dacron B50 ist eine Kunstfaser für Bogensehenen mit 50 Pfund Zuggewicht pro Faser und mittlerer Dehnung. Bei Holzbögen empfielt es sich darauf zu achten, ob das verwendete Material dehnbar ist oder nicht. Hat man eine geringe oder annähernd keine Dehnung (z.B. bei FastFlight) muss die Sehne über eine längere Strecke verdrillt werden, um ein wenig Dehnung zu schaffen.

Wie beginnen ?

Die Bogenshene wird aus zwei gleich starken Strängen gezwirnt. Nehmen wir an der Bogen für den die Sehne gedacht ist, besitzt eine Zugkraft von 35 Pfund. Bei einer Sehne aus Dacron B50 (50 Pfund pro Faser) benötigt man zwei Stränge á 4 Schnüren.

Am Besten wickelt man die Schnur von der Rolle um zwei Haltepunkte (Türklinken, Bankhaken etc.) und schneidet sie an den Haltepunkten durch. Dann hat man zwei gleich lange Stücke. Deren Enden wickelt man auf, damit sie beim verdrillen nicht stören. Bei Naturfasern sollte man die Schnüre wachsen, damit man sie leicher verdrillen kann.

Die Schnüre sollten mindestens 70cm länger sein als der Bogen. Durch späteres Drillen wird die Sehne kürzer - später kann man immer noch ein Stück abschneiden.

Jeweils die Anfänge und die Enden werden zueinander gelegt. Da die Sehnen hier doppelt sind, wird die Öse der Sehne belastbarer. Das kürzere Ende sollte ab der Überschneidung noch 30cm lang sein.
Dort wo sich die Sehnen auf dem letzten Bild schneiden werden sie miteinander verdrillt. Die Verdrillung bildet die Öse und sollte so lang sein, dass Sie beqeum über die Nocke des Bogen passt.
Jetzt sind die Sehnen miteinander verdrillt. Es macht Sinn die Größe der Öse am Bogen zu testen. Das Spannen und Entspannen des Bogen ist einfacher, wenn die Öse nicht nur über die Nocke, sondern auch über den Bogenarm passt. Zum Testen werden einfach beide Enden der Verdrillung zusammen gehalten und die entstandenen Schlaufe über den Bogen gstülpt.
Danach werden die Enden der beiden Paare geneinander vertauscht.
Die neuen Paare werden einzelnen zwischen den Fingern verdrillt. Wichtig ist es die beide Paare in die gleiche Richtung (in diesem Fall gegen den Uhrzeigersinn) zu verdrillen. Dieser Vorgang geht hervorragen an einer Türklinke.
Die Sehne soll gleichmäßig stark verdrillt sein, dann sieht die fertige Sehne gut aus.
Die beiden verdrillten Stränge werden untereinander in die entgegengesetze Richtung (mit dem Uhrzeigersinn) verdrillt.
Nach 3-5 cm kann man damit beginnen, einzelne Schnüre von der Verdrillung auszuschließen. Dadurch wird die Sehne langsam verjüngt. Hierzu nimmt man alle drei halbe Drehungen einen Schnur heraus.
Diese Sehne für einen 35 Pfund Bogen besteht aus 8 Schnüren. Wie man sieht wurden alle 8 Stränge nach und nach herausgenommen, wodurch sich die Öse gleichmäßig verjüngt.
Nach dem Kürzen werden die Enden vorsichtigt versengt.
Das andere Ende wird ab dem oberen Drittel des Bogenarmes genauso verdrillt (ggf. wieder am Bogen messen). Wieder ist die Richtung zu beachten. Es muss die gleiche Verdrillungsrichtung beibehalten werden, sonst geht die Sehne wieder auf. Am Ende macht man einen normalen Doppelknoten.
Auf der einen Seite ist nun eine Öse, auf der anderen Seite kann man mit dem Zimmermannsknoten die Länge der Sehne einfach einstellen.
Ein Hand breit unter der Nocke beginnt man mit dem Knoten. Dabei legt man die Sehne, als wolle man einen Konten machen, wickelt dann das Ende dreimal um die Sehne herum.
Dieser Knoten verrutscht nicht, zieht sich nicht fest zu und kann immer wieder verstellt werden. Ist er nicht an der richtigen Position (der Sehnenstand stimmt nicht) öffnet man ihn und bindet ihn an der richtigen Position neu.
Eine Sehne ohne Mittenwicklung würde unter der Belastung der Nocke und des Fingerschutzes beim Schiessen schnell verschleissen. Die Mittenwicklung ist 10-15cm lang. Damit das erste Ende hält wickelt man den Anfang der Sehen ein. Das Stäbchen sorgt dafür, dass man mit genügend Kraft wickeln kann.
Die Mittenwicklung kann am Einfachsten bei gespannten Bogen gewickelt werden. Es können die gleichen Materialen verwendet werden, wie für die Sehne. Es gibt sepezielle Mittenwicklungsgarne (z.B. von FastFlight) wie sie hier im Bild verwendet werden. Diese Garne sind dünn und extrem reissfest.
Am Ende wickelt man ein Stäbchen oder einen Bleistift drei Wickungen weit ein.
Wenn man den Garn an der Sehne festhält, kann man das Stäbchen herausziehen.
Dann wird der Garn durch die drei Wicklungen gezogen.
Mit dem Daumen wird die Wicklung fixiert und enger zugezogen.
Wenn die Wicklung eng anliegt kann das Ende beim Zuziehn nicht unter die Wicklung rutschen.
Erst nachdem die Wicklung eng zugezogen ist wird der Garn durch die Wicklung gezogen.
Das Ende muss sehr fest zugezogen werden.
Das geht am Besten mit einem Stäbchen. Wer möchte kann sich aus dem Wicklungsgarn noch eine Nockpunktmarke wickeln. Diese sitzt direkt über dem Nockpunkt. Man kann den Pfeil dann auflegen, ohne das Ziel aus den Augen zu lassen.

Den Vorgang zu beschreiben ist sehr schwierig, ich habe mehrere Bücher gelesen die beschreiben wie Sehnen gefertigt werden. Erst seit dem Besuch eines Bogenbau-Seminares mache ich alle meine Sehnen selbst. Solltet Ihr an bestimmten Stellen der Beschreibung Schwierigkeiten haben, würde ich mich über eine e-mail an webmaster@orbisamicorum.de freuen.