Das Holz

Für den Fehlschlag des ersten Versuchs einen Bogen zu bauen, ist nicht selten das Holz verantwortlich.

Einen Bogen kann man aus jedem Stück Holz bauen. Im Endeffekt entscheidet die Qualität des Holzes, über die mögliche Auszugslänge und Zugkraft des fertigen Bogens. Das Stück Holz aus dem der Bogen entstehen soll wird Rohling genannt. Auch wenn der Rohling einem Bogen schon sehr ähnlich sieht, spreche ich erst von einem Bogen, wenn die Sehne aufgezogen wurde.

Ein guter Bogner kann aus einem minderwertigen Rohling einen Bogen mit passabler Zugkraft fertigen. Beim ersten Mal ist es jedoch schwer genug den perfekten Rohling nicht zu zerbrechen.

Jede Holzart kann für den Bau eines Bogens verwendet werden, es gibt, wie überall, natürlich einiges zu bedenken:

Harzige Hölzer wie Kiefer oder Fichte können das Bearbeiten des Bogenrohlings unangenehm gestalten. Buche verzieht sich oft, so dass sich der Bogen nach der Fertigstellung verändern kann. Sehr leichte Hölzer ergeben Bögen mit geringer Zugkraft.

Gut zu gebrauchen sind Eibe, Robine, Ulme, Esche, Birke, Obstbaumhölzer (Apfel, Birne, Pflaume, usw.) Eiche, Ahorn und Bambus, aber traut euch ruhig, etwas Neues auszuprobieren.

Die Qualität von Nadelhölzern und Eibe ist um so besser, je kleiner die Jahresringe sind, bei Laubhölzern ist dies umgekehrt. Ein Jahrsring besteht aus einer Frühholz- und einer Spätholzschicht. Die Frühholzschicht ist grobporig und lässt sich oft mit bloßem Fingernagel einritzen. Die Spätholzschicht ist feinporiger und härter und damit belastbarer. Bei den Laubhölzern kann man zusätzlich darauf achten, wie das Verhältnis von Frühholz zu Spätholz ist. je mehr Spätholz um so besser.

Die Holzart wird umso wichtiger je stärker der Bogen werden soll den man bauen will. Bei sehr starken Bögen (mit mehr als 70 Pfund bei 27" Auszug) solltet ihr Eibe oder Robine verwenden.

Für einen Bogen sollte euer Rohling zwischen 150cm und 200cm lang, etwa 5cm breit und 3-5cm tief sein.

Als Bogenlänge für den Langbogen wurde früher die Armspannweite oder die Größe des Schützen verwendet. Wenn man sehr groß ist, sollte man auch einen längeren Rohling wählen.


Der Rohling sollte möglichst "astrein" und nicht verdreht sein. Wenn sich Astansätze nicht vermeiden lassen, sollten diese in den steifen Teile des Bogens liegen (Griff und Nocke). Gut ist es, wenn der Bogenrücken (die von Schützen abgewandte Seite) von einem Jahresring gebildet wird. Ziel ist es, dass der Rücken des Bogens durchgängig aus der festen Schicht (Spätholz) eines Jahresringes besteht. Wenn Holz bricht, dann meist entlang der porösen Schicht eines Jahresringes.

Das Holz muss, wenn ihr mit dem Tillern anfangt, trocken sein. Holz das überdacht im Freien gelagert ist pendelt sich auf 12-15% Feuchtigkeit ein. An Trockenzeit rechnet man 1 Jahr pro 1 cm Dicke - ein 5 cm dicker Rohling sollte somit 5 Jahre trocken gelegen haben !

Wer nicht so lange warten will, kann die grobe Bogenform aus dem Rohling arbeiten und den Rohling dann in der Wohnung, in einem geheizten Raum, zum trocknen aufbewahren. Dort benötigt ein 2-3 cm starker Rohling aus grünen Holz ca. 6 Monate bis man mit dem Tillern beginnen kann.

Wenn das Tillern mit grünem Holz begonnen wird, biegt sich das Holz zu leicht und behält die Biegung auch unbelastet bei. Zudem müsste man solch einen Bogen mehrmals nachtillern, da das Holz beim Trocken steifer wird.

Ich hatte einen Grünholz-Rohling aus Eiche, der aufgrund eines großen Astes über dem Griff, von minderer Qualität war. Die gefährdete Stelle bog sich beim Probebiegen so stark, dass ich, um die Stelle zu entlasten, den Rest der Wurfarmes sehr schwach hätte auslegen müssen. Ich entschloss mich den Rohling einem Freund zu schenken, der einen schwachen Bogen bauen wollte. Nach 8 Monaten in seiner Wohnung war der Rohling getrocknet und so steif, dass man ihn nicht einmal zum Test biegen konnte und wir konnten einen Bogen mit passabler Zugkraft (35 Pfund) daraus fertigen.

Holz vom Holzmarkt ist zumeist auf 10-12% Wärmegetrocknet und damit sofort verwendbar - gut abgelagertes Holz verzieht sich jedoch wesentlich seltener.

Die ideale Feuchtigkeit eines Bogens liegt zwischen 8-12% - diese Feuchtigkeit stellt sich meist bei der Lagerung innerhalb beheizter Räume ein. Natürlich kann Holz, vor allem wenn es zu warm gelagert wird, auch zu trocken werden. Zu trockenes Holz ist spröde und bricht dadurch leichter.