Das Design und grobes Zurichten


In der Theorie gibt es zwei verschiede Design-Typen: Den Langbogen und den Flachbogen. In der Praxis ist jede Mischform davon denkbar.

Der Langbogen besitzt einen gewölbten Bauch (die den Schützen zugewandte Seite), ist schmal und ungefähr so lang wie der Schütze groß ist.

Der Flachbogen hat breite, flache Wurfarme und ist verhältnismäßig kurz.

Um zu verstehen, warum es diese beiden Formen gibt, muss man folgendes über Holz als Werkstoff wissen:

Holz hat eine begrenzte Biegefähigkeit (es bricht). Je dünner das Holz ist, desto weiter kann es gebogen werden. Je breiter die Wurfarme sind, desto dünner können sie bei gleicher Zugkraft sein.

Das Langbogen-Design benötigt, aufgrund der dickeren Wurfarme, das bessere (biegsamere) Material. Es ist prinzipiell leistungsfähiger, da die Bogenarme bei gleicher Zugkraft leichter sind, als die des Flachbogens. Das liegt daran, dass ein Bogenarm der um 2mm verjüngt wird, sich genauso stark durchbiegt als hätte man ihn seitlich um 8mm verschmälert, was wesentlich mehr Material entsprochen hätte.
Früher war die bessere Materialausnutzung auch ein Grund Langbögen zu bauen. Aus einem Stamm erhält man mehr Lang- als Flachbögen .

Die Arme eines Flachbogens sind breiter und somit bei gleicher Zugkraft dünner und dadurch biegsamer. Deshalb kann er kürzer gefertigt werden als ein Langbogen. Flachbögen wurden bei der Jagd zu Pferd und in dichtem Gestrüpp bevorzugt. Der Flachbogen wurde vor allem von den Indianern gebaut und benutzt.

Sucht den Typ nach eurem Rohling aus:

  1. Hab Ihr das richtige Holz für einen Langbogen ? (Eibe, Ulme, Esche)
  2. Ist der Rohling breit genug für einen Flachbogen ? (ca. 5 cm)
  3. Ist er lang genug für einen Langbogen ? (Eure Körpergröße oder Armspannweite)


Natürlich darf euer Geschmack nicht zu kurz kommen !

Wenn Ihr euch entschieden habt, zeichnet die Form auf den Rücken des Bogens auf und sägt die Form grob aus oder verwendet ein Ziehmesser. Vorsicht mit der Säge und dem Ziehmesser - lieber früher zur Raspel greifen als zu spät. Danach wird die Form feiner mit der Raspel zugerichtet. Euer Rohling sollte dann am Griff ca. 5cm dick sein und an den Wurfarmen von 3cm nahe dem Griff bis auf ca. 1,5cm an den Enden zulaufen. Lasst das Ende nicht zu dünn werden, damit Ihr noch die Nocke schnitzen könnt.
Habt Ihr kein ausreichend dicken Rohling, kann ein Griffstück aufgeleimt werden.

Rechts seht Ihr zwei Rohlinge. Der Linke ist aus Esche und die gewünschte Dicke ist an beiden Seiten angezeichnet. Der obere Bogenarm wird in der Regel ein wenig länger gelassen als der untere, da der Pfeil oberhalb der Hand, die den Bogen hält, aufgelegt wird. Diese Stelle stellt dem Mittelpunkt des Bogen dar. Aus diesem Grund wird auch die Ausrichtung des Rohlings mit einem Pfeil am Griff markiert.

Der zweite (rechte) Rohling aus Robinie ist schon einen Schritt weiter. Er ist in Dicke und Breite zugerichtet. Zur besseren Orientierung kann man sich die Mitte des Wurfarms markieren, dann ist es einfacher den Wurfarm gleichmäßig zu verjüngen. Die Nocken sind bereits grob geschnitzt und der Griff angezeichnet. Dieser Bogen wird am Griff ein Schussfenster erhalten.

Die Breite des Bogens wird, je nach Bogentyp, zwischen 3-5 cm am Griff bis auf 3-1 cm bei den Nocken zulaufen lassen. Wenn Ihr einen Flachbogen baut, lasst den Bogen lange breit und verjüngt in dann auf kurzen Stück bis auf 1-1,5cm, um die Nocke zu schnitzen. Das letzte schmale Stück muss dann dicker gelassen werden als der Bogenarm, damit die Nocke der Belastung auf Dauer stand hälten.

Der Griff sollte ein gutes Stück dicker sein, damit der Bogen beim Schießen ruhig in der Hand liegt. Wer einen Bogen besitzt dessen Griff sich beim Schuss zu stark biegt, weiß warum die Engländer diesen Effekt "Kick" = "Tritt" nennen. Die Abbildung unten gehört zu dem rechten Rohling.

Damit aus dem Rohling ein Bogen werden kann, muss man für eine gleichmäßige Biegung sorgen. Dies geschieht beim "Tillern", hierfür benötigt der Rohling eine Nocke, damit die Tillersehne einhängt werden kann

An der folgenden Nocke kann man gut sehen, dass der Wurfarm am Ende dünner ist als die Nocke selbst. Beim Flachbogen muss man darauf achten, dass der Rohling an den Enden nicht zu dünn wird.

Zum Tillern starker Langbögen, die später eine Hornnocke erhalten sollen, empfielt sich eine Wickelnocke. Für die Wickelnocke benutze ich eine Kunstsehne wie sie auch von Schuhmachern benutzt wird.